„Die Dame protestiert zu viel, mich dünkt."
— Shakespeare, Hamlet

3. Februar 2026

OpenAI vs. Nvidia, oder: Wie der Versuch, Stärke zu zeigen, genau zeigt, wie verzweifelt man ist

Nvidia zieht sich von einer $100-Milliarden-Investition in OpenAI zurück. Jensen Huang kritisiert privat OpenAIs "Business Discipline". Tage später bekommt Reuters acht—acht—anonyme Quellen, die sich über Nvidia-Chips beschweren.
Das Timing ist nicht subtil. Das ist Vergeltung. Und wie die Königin in Hamlet, die übertrieben Treue schwört, entlarvt das Protestieren selbst, was OpenAI verbergen wollte.

Die Ausgangslage

OpenAI verbrennt $9 Milliarden pro Jahr. Profitabilität: vielleicht 2029. Sie brauchen Nvidia-Chips jetzt sofort, um ChatGPT am Laufen zu halten. Nvidia ist Quasi-Monopolist. Nvidia ist profitabel. Nvidia hat mehr Kunden als Kapazität.

Machtasymmetrie. Klar.

Die Paradoxie

Nvidia zieht sich zurück → OpenAI muss Stärke zeigen → leakt Unzufriedenheit mit Nvidia-Chips → Timing macht es als Vergeltung erkennbar → offenbart genau die Schwäche, die man verbergen wollte.

Alle Züge rational. Ergebnis kollektiv irrational.

Warum das PI ist

1. Alle handeln rational. Die Struktur produziert Scheitern.

  • Nvidia investiert nicht $100Mrd in unprofitable Company? Rational.
  • OpenAI sucht Chip-Alternativen (AMD, Broadcom)? Rational.
  • OpenAI will nach Nvidias Absage nicht schwach wirken? Rational.
  • Resultat: Wirkt schwächer, als wenn sie geschwiegen hätten.

2. Je härter man versucht, desto schlimmer wird's.

AMD/Broadcom-Deals verkünden sollte Alternativen demonstrieren. Demonstriert stattdessen: "Wir brauchen verzweifelt Alternativen." Alternative Chip-Infrastruktur aufbauen dauert Jahre. Währenddessen: weiter abhängig von Nvidia. Jede Aktion, die Unabhängigkeit zeigen soll, offenbart Abhängigkeit.

3. Navigation mangels Alternative.

OpenAI MUSS Nvidia-Chips weiter nutzen UND gleichzeitig gegen Nvidia arbeiten UND dabei stark wirken. Geht nicht. Müssen sie trotzdem. Weil Struktur.

4. Information als Waffe, die nach hinten losgeht.

Transparenz über Chip-Unzufriedenheit sollte Verhandlungsposition stärken. Tut sie nicht. Entlarvt verzweifelte Retourkutsche.

Hedgie sieht's sofort: "When one side of a partnership starts leaking complaints right after the other side pulls back, it usually tells you who's feeling the pressure."

Die brutale Wahrheit

Die Struktur gewinnt. Immer.

OpenAI kann nicht gewinnen, indem sie sich beschweren. Aber schweigen würde Schwäche zugeben. Also beschweren sie sich. Und beweisen die Schwäche.

Nvidia muss nichts tun außer warten. Die haben Leverage. OpenAI hat Abhängigkeit und $9 Milliarden Jahresverlust.

Die Falle:

  • Nicht reagieren → wirkt schwach
  • Reagieren → wirkt schwächer
  • Reagieren und Stärke behaupten → wirkt am schwächsten

Das ist keine schlechte Kommunikation. Keine miese PR. Das passiert, wenn asymmetrische Macht auf strukturelle Notwendigkeit trifft. Alle tun, was sie müssen. Das Ergebnis ist vorbestimmt.

Was nicht funktioniert

Check der Anti-Practices:

✗ "Mehr Transparenz schafft Vertrauen" — Schafft Exposure
✗ "Stärke demonstrieren" — Offenbart Schwäche
✗ "Alternativen finden" — Zeigt, dass man sie noch nicht hat
✗ "Bessere Kommunikation löst strukturelle Probleme" — Struktur schlägt Dialog

Was das zeigt

PIs sind keine individuellen Fehler. Kluge Menschen. Rationale Entscheidungen. Strukturelle Falle.

OpenAIs Leadership ist nicht dumm. Nvidias nicht grausam. Beide navigieren, wie die Struktur es erlaubt. Das Ergebnis ist kein Versagen der Urteilskraft. Es ist Erfolg der Struktur.

Alle sind schuldig. Keiner kann etwas dafür.

Das Muster wiederholt sich, bis die Struktur sich ändert. Entweder OpenAI erreicht Chip-Unabhängigkeit (Jahre entfernt) oder Nvidias Monopol bricht (vielleicht) oder OpenAIs Finanzsituation stabilisiert sich (2029, optimistisch).

Bis dahin: gleiche Struktur, gleiche Dynamik, gleiches Ergebnis.

Mehr solche Muster? Wir tracken strukturelle Failures, die wie individuelle Fehler aussehen.

Peter Senner
Thinking beyond the Tellerrand
contact@piinteract.org
www.piinteract.org

Paradoxe Interaktionen (PI): Wenn rationale Akteure durchweg kollektiv irrationale Ergebnisse erzielen – nicht durch Versagen, sondern durch Strukturen.

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