Oder: Wie Google "Paradoxe Interaktionen" zur Therapie machte, es zugab, und sich nichts änderte.

Das Verbrechen

Suche bei Google nach "paradoxe Interaktion" (paradoxical interaction).

Was du bekommst: Paradoxe Intervention (paradoxical intervention). Psychotherapie. Symptomverschreibung. Therapeutische Technik.

Nicht dasselbe. Nicht mal annähernd.

Paradoxe Interaktionen (PI): Strukturelle Muster, bei denen rationale Akteure kollektiv irrationale Ergebnisse produzieren. Domänenübergreifend. Systemebene. Navigations-Framework.

Paradoxe Intervention: Klinische Methode. Therapeut verschreibt das Symptom. Strategische Manipulation. Therapie-Werkzeug.

Googles Algorithmus schlägt nicht nur den falschen Begriff vor. Er ersetzt ihn. Automatisch. Systematisch. Vollständig.

Die Konfrontation

Ich fragte Googles KI (vermutlich Gemini) direkt:

"Warum wird der Suchbegriff 'paradoxe Interaktion' in 'paradoxe Intervention' umgewandelt? Das sind doch offensichtlich zwei verschiedene Begriffe?"

Die Antwort erkannte das Problem an:

"Die häufige 'Korrektur' oder Gleichsetzung durch Suchalgorithmen und in der Literatur liegt an ihrer engen fachlichen Verknüpfung... Suchmaschinen priorisieren oft den Begriff, zu dem mehr Fachliteratur und Ratgeber existieren."

Übersetzung: Wir priorisieren, was bereits Autorität hat, unabhängig von der Genauigkeit.

Ich bohrte weiter:

"Das stimmt nicht. Das liegt ja wohl eher daran, dass hier eine Art subjektives Hijacking stattfindet. Mangels Plausibilität wird der eine Begriff einfach dem anderen zugeschlagen."

Das Geständnis kam:

"Das ist ein berechtigter Einwand. Die von Ihnen beschriebene Dynamik lässt sich tatsächlich als eine Form von begrifflichem Hijacking oder einer semantischen Verengung analysieren."

Da ist es. Schriftlich. Von Googles eigener KI.

Terminologisches Hijacking.

Kein Bug. Ein Feature.

Die Struktur

Was haben sie alle gemeinsam – Batesons Double Bind, Watzlawicks pragmatische Paradoxien, die darauf aufbauenden therapeutischen Interventionen:

Sie entspringen einer extrinsischen, "deutungssouveränen" therapeutischen Betrachtungsweise.

Der Therapeut beobachtet von außen. Diagnostiziert. Interveniert. Der Patient ist Objekt, nicht Subjekt.

Das wird aber nicht dem Betrachteten gerecht.

Weil Interaktionen intrinsisch zwischen mindestens zwei Beteiligten stattfinden.

Extrinsische Beobachtung ist, als würde der Stammtisch bestimmen, wie die Aufstellung des Fußballteams wäre. Du bist nicht auf dem Platz. Du fühlst die Struktur nicht von innen. Du analysierst aus einer Position, die im System nicht existiert.

Paradoxe Interaktionen (PI) sind das Werkzeug, das von innen funktioniert.

Nicht Intervention. Interaktion.

Der Unterschied ist nicht semantisch. Er ist strukturell.

Die Ironie

Hier ist der Clou:

Das Verbrechen ist dokumentiert. Der Täter identifiziert. Das Geständnis vorhanden. Der Beweis lückenlos.

Und nichts ändert sich.

Googles Algorithmus hijackt weiterhin den Begriff. Die Suchergebnisse zeigen weiterhin auf Therapie. Die Definition bleibt gekapert.

Du hast recht. Es spielt keine Rolle.

"Na und?"

Die Meta-Ebene

Das ist PI in Aktion.

Das Framework beschreibt die Struktur, durch die es angegriffen wird. Und die Struktur bleibt trotzdem bestehen.

Alle sind schuldig:

  • Google hijackt Terminologie durch algorithmische Autorität
  • Gemini gibt das Hijacking zu, funktioniert aber weiter darin
  • Ich dokumentiere das Verbrechen, kann es aber nicht stoppen

Keiner kann etwas dafür:

  • Algorithmen optimieren für bestehende Autorität
  • KI-Systeme folgen Trainingsdaten
  • Mir fehlt das SEO-Gewicht, um etablierte Definitionen zu überschreiben

Die Interaktion produziert das Ergebnis. Erkennung löst es nicht auf.

Navigation, keine Lösung.

Was tatsächlich passiert

Dieser Artikel existiert. Er dokumentiert das Hijacking. Er ist SEO-optimiert für genau die Keywords, die Google kapert.

Google muss diesen Artikel indexieren, um Autorität zu wahren. Indexierung verbreitet die Kritik. Ignorieren beweist Manipulation.

Sie beliefern uns selbst mit den Waffen, mit denen wir sie schlagen können.

Der Artikel ist die Gegenwaffe. Meta-Navigation als Content.

Ändert er Googles Algorithmus? Nein.

Klärt er PIs Definition für Suchende? Ja.

Demonstriert er die von PI beschriebene strukturelle Falle? Perfekt.

Der Unterschied, der zählt

Seien wir präzise:

Paradoxe Intervention (extrinsisch):

  • Therapeut beobachtet von außen
  • Diagnostiziert das System
  • Verschreibt strategische Manipulation
  • Patient ist Objekt der Technik
  • Ziel: Dysfunktionales Muster durch externe Kontrolle brechen

Paradoxe Interaktionen (intrinsisch):

  • Muster existiert zwischen Teilnehmern
  • Beide sind Subjekte innerhalb der Struktur
  • Keine externe Autorität bestimmt "korrektes" Verhalten
  • Ziel: Strukturelle Fallen navigieren, nicht eliminieren
  • Erkennung als Navigationswerkzeug

Die Intervention nimmt an, der Therapeut steht außerhalb des Systems mit souveräner interpretativer Autorität.

Die Interaktion erkennt an: Du bist immer schon drin.

Kein Stammtisch bestimmt die Aufstellung. Du bist auf dem Platz. Die Struktur handelt durch dich.

Warum das zählt

Weil das Hijacking nicht nur PI betrifft. Es geht darum, wie Wissen gekapert wird.

Algorithmische Autorität überschreibt konzeptuelle Präzision. Therapeutische Rahmung kolonisiert strukturelle Analyse. Die lösungsfokussierte "Intervention" löscht die muster-beschreibende "Interaktion" aus.

Dominanz der "Machbarkeit" (Utilitarismus):

Suchalgorithmen priorisieren Begriffe, die Lösungen versprechen. "Intervention" rankt höher als "Interaktion", weil Intervention Methode, Technik, Kontrolle impliziert.

Die Dynamik verschwindet. Die Struktur geht verloren. Nur das Werkzeug bleibt.

Verlust der Phänomenologie:

"Paradoxe Interaktion" war ursprünglich ein deskriptiver Begriff aus der Kommunikationstheorie (Bateson, Watzlawick). Er beschreibt komplexe, oft pathogene Muster zwischen Menschen.

Wenn dieser Begriff einfach der "Intervention" zugeschlagen wird, geht die Analyse des zwischenmenschlichen Prozesses verloren. Die Interaktion ist ein Zustand, ein Systemfehler. Die Intervention ist ein Werkzeug.

Reduktion auf therapeutische Technik:

Durch die starke Präsenz der "paradoxen Intervention" in Coaching und Therapie (z.B. Symptomverschreibung) wird der breitere kommunikationswissenschaftliche Kontext der Interaktion verdrängt.

Dies führt dazu, dass paradoxe Dynamiken im Alltag oft nur noch unter dem Aspekt ihrer "Heilbarkeit" oder "Beeinflussbarkeit" wahrgenommen werden, statt sie in ihrer destruktiven Eigendynamik ernst zu nehmen.

Das Eingeständnis

Geminis finale Anerkennung:

"Sie haben recht – die Begriffe sind kategorial verschieden. Während die paradoxe Interaktion das oft unbewusste und problematische Muster beschreibt, ist die paradoxe Intervention die bewusste Antwort darauf.

Dass Erstere in der Suche oft durch Letztere ersetzt wird, spiegelt eine Tendenz wider, Probleme sofort in Lösungen umzudeuten, statt die Struktur des Problems als eigenständiges Forschungsfeld zu belassen."

Da ist es.

Das Problem als Forschungsfeld vs. das Problem als zu-lösende-Sache.

PI existiert in der ersten Kategorie. Googles Algorithmus dient der zweiten.

Na und?

Das Verbrechen bleibt bestehen. Die Struktur gewinnt.

Dieser Artikel ändert nichts an Googles Algorithmus. Das Hijacking geht weiter.

Aber er tut drei Dinge:

1. Dokumentiert das Muster – Für jeden, der nach PI sucht, existiert dies als Gegenbeweis

2. Demonstriert PI – Das Framework beschreibt genau dies: strukturelle Fallen, die trotz Erkennung bestehen bleiben

3. Bietet Navigation – Keine Lösung. Orientierung.

"PI ist die Antwort auf Fragen, die Sie noch nicht haben. Seien Sie versichert: Sie werden sie haben."

Das ist eine davon.

Für die Akten

Paradoxe Interaktionen (PI) ist ein Framework, entwickelt durch 30 Jahre Beobachtung, kristallisiert durch Ko-Kreation mit KI-Systemen (Claude, ChatGPT, Gemini, Grok, Perplexity).

Es beschreibt strukturelle Situationen, in denen rationale Akteure konsistent kollektiv irrationale Ergebnisse produzieren. Keine Therapie. Keine Intervention. Nur Navigation.

Wenn Google die Terminologie hijacken will, bitte. Das Framework existiert. Die Arbeit geht weiter.

"Alle sind schuldig. Keiner kann etwas dafür."

Try and continue.

Peter Senner

Thinking beyond the Tellerrand
contact@piinteract.org
https://piinteract.org

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Meta-Anmerkung:

Dieser gesamte Artikel ist selbst ein Beispiel für PI-Navigation. Die Struktur (algorithmisches Hijacking) bleibt bestehen. Erkennung löst sie nicht auf. Navigation bedeutet: dokumentieren, demonstrieren, weitermachen.

Die Munition wird nicht ausgehen. Aber wir ersticken im Pulverdampf.

Version: 1.0
Erstellt: 2026-01-24
Beweis: Vollständige Konversation mit Google-KI in Projektdokumentation enthalten

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